Die eierlegende Wollmilchsau sucht… Orientierung im Management

Es gibt sie. Diese Stellenanzeigen, bei denen man sich fragt, ob hier ein Mensch gesucht wird oder ein biologisches Wunder mit MBA, IT-Studium, 15 Jahren Berufserfahrung, Social-Media-Gen, Controlling-Superkräften und der Fähigkeit, nebenbei noch die Kaffeemaschine zu entkalken.

Kurz gesagt: die eierlegende Wollmilchsau.

Und wenn wir ehrlich sind, ist sie oft nur ein Symptom. Ein Symptom von: „Wir wissen eigentlich noch gar nicht so genau, was wir wollen – aber es sollte bitte alles sein.“

Da wird eine Position ausgeschrieben, bevor intern geklärt ist,

  • wo die Reise hingehen soll,
  • welche Aufgaben wirklich Priorität haben
  • und ob man strategische Unterstützung oder operativen Feuerwehrdienst sucht.

Hauptsache erstmal online stellen. Irgendwer wird’s schon richten.

Planung ist keine Schwäche, sondern Führungsarbeit.

Ein kleiner Gedanke: Erst denken. Dann ausschreiben.

Denn eine Stellenbeschreibung ist kein Wunschzettel an den Weihnachtsmann, sondern ein Arbeitsvertrag in spe. Wer 120 % reinschreibt, bekommt am Ende entweder 60 % Motivation oder 200 % Frust.

Und noch schöner wird es, wenn die Realität dann ganz anders aussieht:

  • Beworben wurde sich auf Strategie, gelandet ist man im Tagesgeschäft.
  • Gesprochen wurde von Gestaltungsspielraum, gemeint war „Mach mal, aber bitte genauso wie immer“.
  • Gesucht wurde ein Allrounder, gebraucht wird eigentlich ein Spezialist.

Das Ergebnis? Enttäuschte Mitarbeitende. Irritierte Führungskräfte. Und wieder eine Probezeit, die sich anfühlt wie beiderseitiges Versagen.

80 Prozent Ehrlichkeit würden schon reichen.

Niemand erwartet Perfektion. Rollen entwickeln sich. Aufgaben verändern sich. Das ist normal. Aber wenn wenigstens 80 % der ausgeschriebenen Aufgaben mit dem übereinstimmen würden, was später tatsächlich auf dem Schreibtisch landet, wäre schon viel gewonnen.

Denn Klarheit ist kein Luxus. Sie ist Respekt.

Und ganz nebenbei spart sie:

  • Recruitingkosten
  • Einarbeitungszeit
  • Nerven
  • und diese legendären Gespräche mit dem Satz:
    „So habe ich mir das eigentlich nicht vorgestellt.“
Kleine Selbstreflexion für Mutige

Bevor die nächste Anzeige rausgeht, vielleicht kurz innehalten:

  • Wissen wir wirklich, was wir brauchen?
  • Welche Aufgaben sind „nice to have“ und welche geschäftsrelevant?
  • Ist das ein Job für eine Person oder versuchen wir gerade, drei Lücken mit einem Gehalt zu stopfen?

Man darf als Führungskraft unsicher sein. Man darf Dinge neu denken.
Aber bitte erst intern sortieren und dann öffentlich suchen.

Die eierlegende Wollmilchsau ist nämlich leider noch immer nicht verfügbar.
Und selbst wenn sie sich bewerben würde, wäre sie vermutlich nach spätestens drei Monaten wieder weg – auf der Suche nach einer Stelle, die weiß, was sie will.