Liebe Chefs,
New Work bedeutet nicht, dass ihr euch zurücklehnen könnt. Auch wenn es manchmal genau so interpretiert wird. Unsicherheit und Entscheidungsschwäche sind keine Führungsstrategie, auch dann nicht, wenn man sie „New Work“ nennt.
Was aktuell immer noch passiert
Führungskräfte sprechen von Eigenverantwortung, von Selbstorganisation und von unternehmerischem Denken im Team.
Und dann kommt von oben: „Feel free. Das ist jetzt euer Thema.“
Klingt modern. Klingt nach Vertrauen. Ist aber oft nur eins: bequem.
Das Problem
Während Freiheiten ausgesprochen werden, bleiben die entscheidenden Fragen unbeantwortet:
- Wohin entwickelt sich die Firma?
- Wer ist wirklich die Zielgruppe?
- Wofür steht die Marke und wofür nicht?
- Was bedeutet die Entwicklung für die nächsten fünf Jahre?
Und genau hier wird es kritisch.
Denn auf diese Antworten wartet man häufig vergeblich:
Keine Klarheit. Keine Richtung. Keine Entscheidung.
Wenn New Work zur Ausrede wird
Ein Team bekommt den Auftrag, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Die Website soll neu gedacht werden, die Marke weiterentwickelt und ein neues Geschäftsfeld aufgebaut werden.
Die Ausgangslage:
Eine neu gegründete Niederlassung braucht ein klares, überzeugendes Konzept für ihre Außenwirkung.
Die Ansage der Führung klingt vielversprechend: „Ich lasse euch alle Freiheiten.“
Also macht das Team genau das, was man sich wünscht. Es wird analysiert, diskutiert und entwickelt. Ideen entstehen, Konzepte werden ausgearbeitet, Zusammenhänge durchdacht. Strategische Fragen werden sauber identifiziert – genau die Punkte, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Mit einem durchdachten Gesamtbild geht das Team zurück zur Führung, natürlich in der Erwartung, jetzt Klarheit und Richtung zu bekommen. Und genau hier zeigt sich, ob New Work wirklich verstanden wurde oder nur gut klingt.
Im vorgestellten Beispiel passiert folgendes:
Auf die Frage, ob die strategische Ausrichtung passt:
Nichts. Kein Feedback. Keine Entscheidung. Keine Orientierung.
Auf die Frage, wie es weitergehen soll:
„Macht doch einfach mal und gebt Bescheid, wenn ihr was braucht.“
Und als es um Umsetzung und Zeitrahmen geht:
„Natürlich sofort und so schnell wie möglich.“
Was hier jedoch wirklich passiert ist:
Das Team soll gleichzeitig strategisch denken, operativ arbeiten und Entscheidungen treffen aber ohne klare Richtung, definierte Ziele und echte Führung.
Was hier entsteht, ist kein Freiraum. Es ist ein Vakuum.
Das ist keine Eigenverantwortung. Das ist eine Führungslücke.
Oder noch deutlicher: Orientierungslosigkeit mit Ansage.
Verantwortung wird delegiert und Führung gleich mit abgegeben.
Das Ergebnis: Unsicherheit, Reibung, Frust, Stillstand.
So hat New Work eine echte Chance und einen Mehrwert für alle.
Die Führungskraft bleibt verantwortlich für:
- Strategische Richtung
- Zielerreichung
- Rahmenbedingungen und Kultur
Diese Verantwortung verschwindet nicht. Egal, wie modern das Label ist
Das Team übernimmt:
- Umsetzung
- Zusammenarbeit
- Entscheidungen
Das Individuum trägt Verantwortung für:
- das eigene Handeln
- die eigene Entwicklung
- die Kommunikation
New Work funktioniert nicht chaotisch, sondern klar:
- Führung schafft Klarheit und gibt Richtung und Rahmen vor.
- Führung trifft Entscheidungen, definiert Entscheidungsräume und ermöglicht Entscheidungen.
- Teams und Mitarbeitende übernehmen Verantwortung und erhalten im Rahmen Entscheidungsfreiheit.
Nicht andersherum.
Im Klartext
New Work scheitert manchmal nicht am Team, sondern an fehlender Führung, denn:
- Strategie kann gemeinsam entstehen aber nicht ohne Orientierung.
- „Macht mal“ ist keine Strategie.
- Verantwortung abgeben ist nicht dasselbe wie Verantwortung abschieben.
- Wenn Verantwortung nicht klar verteilt ist, fühlt sich am Ende keiner zuständig.
- Selbstorganisation funktioniert nicht ohne Führung, jedoch nicht im Sinne von ständiger Kontrolle sondern innerhalb eines abgesteckten Rahmens.
- Delegation ohne Rückendeckung ist kein Vertrauen sondern Fahnenflucht.

