Der Ton macht die Musik
Das lernen wir schon bei Casting-Shows im Fernsehen. Und wenn man genauer hinschaut, lässt sich daraus erstaunlich viel über Führung lernen.
Bei dem einen Castingformat geht es zunächst ums Zuhören. Die Kandidaten werden vorab ausgewählt und die Jury hört sich an, was jemand kann. Während des Auftritts wird entschieden, ob das Talent überzeugt. Es stehen Menschen mit viel Erfahrung auf der Bühne, andere zum ersten Mal vor einem großen Publikum. Bewertet wird die gezeigte Leistung – mit Humor, Ehrlichkeit und einem respektvollen Ton.
Daneben gibt es andere Castingformate, in denen der Umgang mit den Talenten deutlich härter ausfällt. Es gibt keine vergleichbare Vorauswahl, Kritik wird bewusst zugespitzt und manchmal auch unter der Gürtellinie platziert. Der Ton gehört zum Format. Beides funktioniert.
Und wie sieht es bei euch aus?
Wie werden in eurem Unternehmen Auswahlentscheidungen getroffen? Gibt es eine sinnvolle Vorauswahl? Prüfe ich, was ein Kandidat bereits mitbringt und was er vielleicht noch benötigt, um die Aufgabe erfolgreich zu bewältigen?
Oder stelle ich auf gut Glück ein und lasse mich überraschen, ob es klappt – mit dem Hintergedanken, dass eine Hand bereits die Kündigungsvorlage für die Probezeit hält?
Wer weiß, welche Fähigkeiten und welches Wissen für eine Aufgabe tatsächlich gebraucht werden, kann gezielter auswählen und Menschen für die richtige Aufgabe begeistern. Und wenn Wissen oder Erfahrung noch fehlen, stellt sich die Frage, wie diese Person unterstützt und weiterentwickelt werden kann. Vielleicht passt die Aufgabe trotzdem oder vielleicht gibt es aber auch jemanden im Unternehmen oder im Bewerberpool, der die Anforderungen besser erfüllt.
Wenn die Sache plötzlich persönlich wird
Umso erstaunlicher ist es, dass bei Unstimmigkeiten Dinge, die auf sachlicher Ebene stattfinden sollten, plötzlich persönlich werden. Hier kommt Führung ins Spiel. Denn gerade dann zeigt sich, wie in einem Unternehmen miteinander umgegangen wird.
Also, liebe Chefs,
wie verhaltet ihr euch in solchen Fällen?
Geht es gerade noch um die Sache oder geht es um die Person?
Und vielleicht geht ihr noch eine Ebene tiefer:
Will ich mit einem respektvollen Umgang ein Zeichen dafür setzen, was in meinem Unternehmen geht und was nicht? Oder geht es inzwischen mehr darum, wer im Recht ist, sein Ego durchsetzt und Macht demonstriert?

